Der Digitalfunk hat die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettung und Polizei deutlich flexibler gemacht, und bietet diesen neue Möglichkeiten, Einsätze so effizient wie möglich zu absolvieren. Vor allem in koordinativer und taktischer Hinsicht ergeben sich durch die Funktionen des neuen Digitalfunk-Standards für Sicherheitsrelevante Behörden und Organisationen einige Verbesserungen, die in Zukunft mitunter Leben retten können.

Dies setzt allerdings voraus, dass die neuen Möglichkeiten effektiv eingesetzt werden. Sehen wir uns genauer an, wie die Einsätze mit den Möglichkeiten umgehen. Wir tun dies anhand des Beispiels Feuerwehr. 

Kritik während der Umstellung 

In der Branche erinnert man sich noch: Mit der Einführung des Digitalfunks in Deutschland gab es viel Unmut unter einigen Einheiten in ganz Deutschland. Der Grund: Viele konnten nicht unbedingt nachvollziehen, weshalb ein seit Jahren bewährter Analogfunk ersetzt werden sollte – unter großem Aufwand, denn die Umschulungen nehmen viel Zeit in Anspruch. 

“Erwartungen, die an den Digitalfunk gestellt wurden, konnten nicht abschließend erfüllt werden”, so Harald Schulenberg, Leiter des Sachgebiets Kommunikationstechnik der Feuerwehr Bremen gegenüber dem Online Portal Feuerwehrmagazin.de. Als Gründe nennt er zum Beispiel fehlende bundesweite Regelungen zum Senden des Status sowie dem Umgang mit Not-, Hilfe- und Katastrophenruf per Funkgerät. 

Technische Neuerungen sprechen für sich

Dennoch, auch wenn viele Möglichkeiten des digitalen Funks noch nicht vollständig genutzt werden: Durch die neuen Funktionen ergeben sich schon heute viele Ansätze zur Verbesserung der Arbeit im Einsatz. Und immer mehr davon werden in die Arbeitsabläufe der Einsatzkräfte integriert. Viele Neuerungen erlauben beispielsweise eine deutlich erhöhte Flexibilität in der Kommunikation zwischen Einsatzkräften, Leitstelle und Gruppen. Im Detail gibt es folgende besonders wichtige Möglichkeiten, die ohne Digitalfunk bislang undenkbar waren: 

  • Kein komplettes Blockieren des Netzes durch den Einsatz von Gruppen.
    So können Gruppen nun kurzfristig zusammengeschaltet werden, was ein besser koordiniertes Vorgehen im Einsatz ermöglicht..
  • TMO und DMO sind in einem Endgerät vereint
    Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich um Bündelfunkstandards, welche die Kommunikation innerhalb relativ naher Distanzen ermöglicht, vergleichbar mit dem 2-Meter und dem 4-Meter-Analogfunk. Bei Distanzen in Sichtweite und darüber hinaus kann nun ein einziges Gerät genutzt werden. Dies erleichtert die Arbeit der Einsatzkräfte enorm.
  • Übertragung von GPS-Koordinaten möglich
    GPS Daten werden durch den Digitalfunk automatisch transferiert. Dies erspart Zeit und ermöglicht die Lokalisierung ohne zusätzliche Nachfrage. So kann ein zusätzlich angefordertes Einsatzkommando stets den Überblick haben, wo genau sich der Einsatzort befindet, auch wenn dieser laufend geändert wird.
  • Notfalltaste für den Aufbau einer Sprechverbindung mit Vorrang vor allen anderen Teilnehmern.
  • Gleichzeitige Übertragung von Sprache und Daten
  • Zugriff auf Datenbanken generell möglich. Zum Beispiel Gefahrstofflisten können direkt abgerufen werden.
  • Erleichterte BOS-übergreifende Kommunikation.
    Diese Funktion erlaubt es beispielsweise, dass Feuerwehr, Polizei und Rettung in ein und demselben Funksystem kommunizieren können. Insbesondere bei großen Ereignissen kann dies deutlich verbesserte Koordination zur folge haben.
  • Gateway- und Repeaterfunktionen – beispielsweise zur Inhouse-Abdeckung.
    Wenn die Funkverbindung zur Leitstelle wegen der Gebäudestation in gewissen Lagen nicht mehr direkt möglich ist, können Funkgeräte eine Gateway- und Repeaterfunktion übernehmen, wodurch selbst in schwierigsten Lagen noch Kommunikation möglich bleibt.

 Alles beim alten beim Sprechfunk

Die wichtigste Kommunikationsform, mit der die Feuerwehr nach wie vor arbeitet, ist aber der Sprechfunk. Und bei diesem hat sich abgesehen von der zumeist besseren Sprachqualität nur wenig geändert. Die Freiwillige Feuerwehr Nordrhein-Westfalen hat die wichtigsten Aspekte für einen effizienten Sprechfunk in einem Video zusammengefasst. 

https://www.youtube.com/watch?v=mTjwHb3XWr0 

Wenn man sich an deren 8 Prinzipien und Regeln hält, so trägt man das Seine dazu bei, zu einem reibungslosen und effizienten Funkverkehr beizutragen: 

  1. Funkverkehr immer so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich.
  2. Auf “bitte” und “danke” kann aus Zeitgründen verzichtet werden.
  3. Denken, drücken, sprechen… Und zwar immer deutlich und nicht zu schnell.
  4. Da Funkgeräte leicht übersteuern und verzerren, sollte man auf keinen Fall schreien, auch wenn die Umgebung sehr laut ist. Geräusch und Rauschreduktion tun ihr übriges, um dem Empfänger gute Audioqualität zu liefern.
  5. Abkürzungen vermeiden, die der Funkpartner nicht verstehen könnte. Denn Nachfragen kostet viel Zeit, die letztlich entscheidend für den Erfolg des Einsatzes sein kann.
  6. Zahlen sollten immer unverwechselbar ausgesprochen werden, beispielsweise ergibt es Sinn, anstelle von “Zwei” “Zwo” zu sagen.
  7. Wenn man schwer verständliche Wörter schon nicht vermeiden kann, ist es oft sinnvoll, diese gleich zu buchstabieren.
  8. Personennamen, Amtsbezeichnungen und Adressen müssen nur dann genannt werden, wenn es einen zwingenden Grund dafür gibt.

All diese Regeln haben sich seit Jahrzehnten bewährt und werden von der freiwilligen Feuerwehr allesamt mehr oder wenige gleich angewendet, auch mit dem Digitalfunk hat sich daran nichts Grundlegendes geändert.

Schulungen und Merkblätter

Die Freiwillige Feuerwehr hat in vielen Regionen eigene Merkblätter für den optimalen Einsatz des Digitalfunks herausgegeben. Wenn man sich genauer damit auseinandersetzen möchte, so wird klar, dass die Bemühungen groß sind die neuen Standards bestmöglich zu nutzen, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen, die in den vergangenen Jahrzehnten getätigt wurden.

Wenn man sich das Merkblatt der Freiwilligen Feuerwehr Bayern ansieht, so werden die wichtigsten Aspekte der Nutzung des Digitalfunks, neben den technischen Details und der korrekten Nutzung der Funkgeräte, in den Verhaltensgrundsätzen zusammengefasst. Diese umfassen ähnliche Punkte, wie in der Auflistung der Freiwillige Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, und ergänzen diese mit der Funkdisziplin. Diese besagt, dass nicht relevante Kommunikation wie Scherze, Beleidigungen, das absichtliche Stören wie mittels des Abspielens von Musik unbedingt zu unterlassen sind.

In dieser Hinsicht wird in den meisten Regionen also ähnlich vorgegangen, auch was die Ausbildung der Einsatzkräfte betrifft. Für Interessierte finden sich entsprechende Richtlinien unter folgenden Links:

Freiwillige Feuerwehr Bayern

Sprechfunk – Staatliche Feuerwehrschule Würzburg

Downloadbereich Feuerwehrschulen Niedersachsen

Unter diesem Link kann man übrigens sein Wissen über den Digitalfunk der Feuerwehr in einem Test ermitteln.

Fazit

Die Umstellung vom analogen auf den digitalen Funk hat den Einsatzkräften der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben viele neue Elemente gebracht, die richtig eingesetzt die Effizienz bei Einsätzen deutlich verbessern können. Die optimale Nutzung erfordert allerdings aufwendige Schulungen. Bei der Einführung hat es allerdings viele Stimmen gegeben, die die Umstellung doch kritisch gesehen haben. Unterm Strich wird aber klar, dass einige Funktionen doch einen großen Mehrwert bieten, wenn es darum geht, die Sicherheit der Menschen in der Bundesrepublik zu erhöhen. Letztlich geht es darum, die gut die Einheiten entsprechende Funktionen integrieren können. 

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