Mit der Einführung des Digitalfunks sind die Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben (BOS) in ein neues technologische Zeitalter eingetreten. Anfangs noch an vielen Orten umstritten, steht der Nutzen des Digitalfunks TETRA längst außer Zweifel. Eine der großen Stärken des BOS Digitalfunks ist die deutlich verbesserte Kooperation und Koordination zwischen Behörden und Organisationen im Krisenfall. Feuerwehr, Polizei Rettung und andere Gruppen arbeiten besser zusammen denn je.

Was hat sich durch TETRA an der Koordination und Kommunikation geändert?

Einer der elementarsten Vorteile von TETRA gegenüber dem Analogfunk, der vor der Umstellung zum Einsatz gekommen war, ist die Möglichkeit, eine Vielzahl von Funkteilnehmern flexibel zusammenzuschließen. Im Ernstfall können so mehrere Einsatzkräfte unterschiedlichster Organisationen Informationen teilen, und sich so perfekt koordinieren. Dies versprach von Beginn an insgesamt effizientere Einsätze.

Und nicht nur das: Durch die Einführung des neuen Digitalfunknetzes ermöglichte man Rettung, Feuerwehr, Polizei und anderen Behörden nicht nur den vernetzten Sprachfunk: Auch Daten können über das TETRA-Netz versendet werden. Im Falle von GPS wird dies übrigens als Standard Funktion eingesetzt. Jeder Funkspruch beinhaltet automatisch die genaue Position des Senders. Allein das trägt maßgeblich zur Effizienz der Behörden bei, da entsprechende Koordinaten so wie im Analogfunk nicht mehr mündlich durchgegeben werden müssen.

So wurde durch die schrittweise erfolgte Einführung des TETRA Funknetzes, welcher seit einigen Jahren flächendeckend in Deutschland verfügbar ist, weit mehr als 500.000 Einsatzkräften unterschiedlichster Behörden und Organisationen ein neues und leistungsstarkes Kommunikationsnetzwerk zugänglich:

  • Polizei
  • Feuerwehr
  • Rettung
  • Bergrettung
  • Zoll
  • Verfassungsschutz
  • ADAC

Die Implikationen waren groß: Man versprach sich deutlich verbesserte Koordination vor allem bei Großeinsätzen, und vermehrte Kooperationen zwischen den Gruppen. Und dies konnte sich letztlich bestätigen.

Einsatzleitstelle – wo alles zusammenkommt

Das wohl wichtigste Element, um Einsatzkräfte auch unterschiedlicher BOS-Funk-Teilnehmer zu koordinieren, ist die Einsatzleitstelle. Es handelt sich hierbei um das zentrale Bindeglied, an dem sämtliche Funkverbindungen zusammenlaufen. Und nicht zuletzt werden hier die Notrufe entgegengenommen, welche letztlich einen solchen koordinierten Einsatz auslösen. Der Einsatzleitstelle obliegt nicht zuletzt auch die Entscheidung, in welchem Ausmaß verfügbare Kräfte zum Einsatzstandort angefordert werden.

So wird ein Einsatz von der Leitstelle organisiert

Nach der Annahme des Notrufes muss dieser zunächst vom Einsatzleitsystem erfasst werden. Die geschieht meist bereits automatisiert. Die nächste entscheidende Phase ist die Priorisierung des Einsatzes: Handelt es sich um einen Notfall? Oder hat man es mit einem katastrophalen Großereignis zu tun, das auf breiterer Ebene angegangen werden muss? Oder geht es um einen kleinen Routineeinsatz?

Basierend auf dieser Bewertung wird schließlich entscheiden, in welchem Ausmaß Einsatzkräfte mobilisiert werden, und vor allem von welchen Organisationen diese hinzugezogen werden müssen. Entsprechende Aufträge werden in der Folge übermittelt, wodurch der Einsatz seinen Lauf nimmt.

Die Einsatzleitstelle ist nun damit beschäftigt, den Einsatz zu begleiten, zu unterstützen und zu koordinieren. Bei einem größeren Einsatz muss auch die weitere Einsatzfähigkeit sichergestellt werden. Das bedeutet, dass Reservekräfte mobilisiert werden müssen, um die Bereits am Einsatzort befindlichen Kräfte ablösen zu können.

Der vorletzte Schritt ist schließlich, falls notwendig die Bevölkerung über den Einsatz zu informieren. Dies kann je nach Fall über Radioschaltungen geschehen, aber auch durch die Aktivierung von Sirenen oder die Fernschaltung von Verkehrszeichen.

Durch den TETRA Funk Standard wurde die Einsatzleitstelle zu einer digitalisierten, multifunktionalen Koordinationszentrale, welche deutlich effizienter arbeitet, als noch mithilfe des Analogfunks. Die Möglichkeiten des TETRA Funknetzes müssen allerdings regelmäßig getestet werden, um im Ernstfall optimal zum Einsatz kommen zu können.

Lebensbedrohliche Einsatzlage – Übung in Rohrdorf

Eine solche Übung hat zuletzt beispielsweise Ende September in Rohrdorf bei Rosenheim stattgefunden. Zu diesem Zweck, bei dem Polizei, Rettung und Feuerwehr koordiniert werden sollten, wurde eine lebensbedrohliche Einsatzlage simuliert. So wurde nachgestellt, dass ein Täter Menschen lebensbedrohlich verletzt hat. Derartige Simulationen werden von langer Hand geplant. Denn es ist überaus wichtig, in einer solchen Situation den Ablauf solcher Einsätze im Voraus zu kennen. So könnte etwa der Polizeieinsatz, der darauf abzielt, den Täter zu stellen und festzunehmen, durch ein vorschnelles oder unkoordiniertes Handeln der Rettungskräfte auf gefährliche Weise beeinträchtigt werden. Auch die Einsatzkräfte könnten Schaden nehmen. Und auch die Feuerwehr muss sinnvoll und ohne die Einsatzkräfte in Gefahr zu bringen eingebunden werden. Denn auch deren Arbeit muss so schnell und sicher wie möglich durchgeführt werden können. Um solchen Szenarien zu meistern, erarbeiten die Behörden gemeinsame Konzepte. In diesem Fall geschah dies durch das Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Rosenheim, federführend mit dem Polizeipräsidium Oberbayern.

Bombenentschärfung in Lieth

Was laufend durch Trainings und Übungen perfektioniert werden muss, sind auch Szenarien wie Bombenentschärfungen. Einen konkreten erfolgreichen Einsatz konnte man zuletzt in Lieth vermelden, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein. Dort wurde am 16. Oktober 2019 bei Bauarbeiten eine 250 Kilogramm schwer Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Die Herausforderung hierbei war, neben der Entschärfung und dem Abtransport der Bombe, die Evakuierung der Bevölkerung. Die Evakuierungsmaßnahmen wurden vom Einsatzleiter der Polizei koordiniert. Mittels TETRA-Funk war auch die Feuerwehr eingebunden.

Bis der Sprengmeister die Fliegerbombe entschärfen konnte, musste die Dorfstraße Lieth für einige Stunden gesperrt werden. Sämtliche Einwohner des Ortes im Umkreis von 500 Metern mussten zudem evakuiert werden. Der Einsatz war ein Erfolg: Niemand kam zu Schaden, und die Bombe wurde entschärft. Dank TETRA konnte diese Herausforderung deutlich schneller erledigt werden, als dies mit Analogfunk möglich gewesen wäre.

 

Österreich: Schwerpunktaktion an der Autobahn

Ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen koordinierten Einsatzes des TETRA Digitalfunks konnte man zuletzt in Österreich dokumentieren. Das Nachbarland, setzt auf dieselbe Technologie, wie die Bundesrepublik. Dort wurden bei einer Schwerpunktaktion an der Südautobahn in Niederösterreich sieben mutmaßliche Drogenlenker aus dem Verkehr gezogen. Weitere neuen Lenkern wurde der Führerschein wegen Alkohols im Blut abgenommen. Auch zahlreiche Mängel an Fahrzeugen mussten festgestellt werden, sowie zollrechtliche Übertretungen. Auch Vergehen, welche in den Bereich der Finanzpolizei fielen, wie etwa zu lange Lenkzeit, Lohn- und Sozialdumping, wurden festgestellt.

Bei diesem nächtlichen Einsatz waren gleich mehrerer Einsatzgruppen involviert: Neben der Polizei waren die Finanzpolizei, der Zoll, und das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl mit an Bord. Auch der Landesprüfzug, die ASFINAG-Mautaufsicht, sowie die Feuerwehr waren im Einsatz. Dieser erfolgreiche Einsatz belegt einmal mehr den großen Nutzen von TETRA: Ohne den Digitalfunk wäre es kaum möglich, derart viele Gruppen effizient bei einem einzigen gemeinsamen Einsatz zu koordinieren.

Fazit: TETRA ermöglicht deutlich bessere Koordinierung der BOS

Anhand der genannten Beispiele kann man sich ein gutes Bild darüber machen, wie die koordinierte Arbeit der BOS in Ländern wie Deutschland und Österreich insgesamt profitiert. Die Einführung des Digitalfunks hat sich somit eindeutig bewährt, und die hohen Kosten der Anschaffung längst gerechtfertigt.  

HKT steht seit 1972 für Kompetenz und Flexibilität auf dem Telekommunikationsmarkt. Als eines der führenden Unternehmen in den Bereichen Engineering und Operations sorgen wir bundesweit sowie auch international für funktionierende Infrastrukturen im Festnetz- und Mobilfunkmarkt. Mit über 300 Mitarbeitern im strategischen und operativen Bereich unterstützen wir Telekommunikationsanbieter und Unternehmen bei der Entwicklung, Umsetzung und dem Betrieb von Infrastrukturen.