Das erste Halbjahr 2019 stand wirtschaftspolitisch ganz im Zeichen globaler Handelskonflikte, ausgelöst durch die USA. Neben den rigorosen Strafzöllen, die sich vor allem gegen China gerichtet haben, schoss man seitens der Trump-Administration vor allem gegen den Technologiekonzern Huawei scharf. Die USA erließen ein Verbot sämtlicher Produkte von Huawei und setzten des Weiteren eine ganzen Reihe von assoziierten und nahestehenden Unternehmen auf die schwarze Liste.

Diese Aktion richtet sich hauptsächlich allerdings nicht gegen die bekannte und beliebte Smartphone Sparte des chinesischen Unternehmens, sondern zielt vielmehr auf die 5G Technologie ab, so sind sich Experten einig. Denn Huawei ist unangefochtener Marktführer im Bereich der 5G Technologie und dominiert den aktuellen Wettbewerb in dieser so wichtigen Zukunftstechnologie.

Huawei als globaler Marktführer von 5G Hardware

Viele Menschen kennen Huawei, zwar vor allem wegen der Consumer-Geräte, der Smartphones, Tablets und auch Laptops, die zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden und dem Unternehmen in den letzten Jahren enorme Wachstumszahlen beschert haben. De Facto ist Huawei nach Samsung der unangefochten zweitgrößte Hersteller von Smartphones gewesen – annähernd 20% aller weltweit verkauften Smartphones stammten von Huawei – bis es eben zu den besagten Sanktionen gekommen ist. Kein Wunder, dass daher die weiteren, vielleicht wichtigeren Gründe des Verbots allgemein eher übersehen wurden. Denn Huawei ist in einem weiteren Bereich unangefochtener Marktführer: In der immens wichtigen 5G Funk-Technologie.

Genau das scheint auf der anderen Seite des Atlantiks ein Problem zu sein. Die USA gab berechtigte Gründe an, dass Huawei in ihre Hardware bestimmte Komponenten einbauen könnte, welche China Tür und Tor zu Spionage in den USA öffnen könnte. Da der Konzern im Bereich 5G Funktechnologie mit Abstand die günstigsten und ausgereiftesten Produkte anbieten kann, bestand ein großes Potential, dass Huawei Hardware überall in den USA angewendet werden könnte.

Da in Zukunft enorme Datenmengen über 5G Funknetze abgewickelt werden, würde die chinesische Überwachung direkt an der Quelle sitzen – ein Sicherheitsrisiko für die USA, das man nicht hinnehmen konnte oder wollte.

Wirtschaftsfaktor 5G

Die Situation in der 5G Industrie zeigt nicht zuletzt auch die wirtschaftliche Komponente der Situation auf. Ein chinesischer Konzern als Weltmarktführer in einer Schlüsseltechnologie, welche die kommenden Jahrzehnte nachhaltig prägen wird, kann nicht im Interesse der USA liegen. Huawei hat in diesem Bereich tatsächlich nur wenig Konkurrenz – nur eine Handvoll Anbieter, wie etwa Ericsson oder Nokia können aktuell gleichwertige Produkte anbieten, jedoch zu deutlich höheren Preisen als Huawei.

EU – Pläne zum Bann von Huawei gescheitert

Die USA hat nicht zuletzt auch auf die Europäische Union gehörig Druck ausgeübt und ein mitziehen der EU Staaten im Boykott von Huawei Produkten erzwingen wollen. Doch bislang waren diese Bemühungen vergeblich. Zahlreiche EU Länder teilten die Bedenken in Sachen Spionage nicht – so wie beispielsweise auch Deutschland und Österreich.

Nicht zuletzt gibt es auch hier wirtschaftliche Gründe, sich mit Huawei zu arrangieren: Die ohnehin schon enormen Kosten für den Ausbau von 5G würden ohne die günstigen Produkte des Hardware-Anbieters aus China explodieren. Es geht hier um sehr viel: Immerhin haben sich die Anbieter von 5G Infrastruktur dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2025 flächendeckendes 5G in ganz Deutschland verfügbar zu machen. Offensichtlich geht es hier also um Investitionen in Milliardenhöhe. Kein Wunder also, dass aus den zunächst im Frühjahr 2019 durchgeführten Gesprächen, Huawei in der EU vom Markt zu nehmen, nichts wurde.

Großbritannien mit speziellem Abkommen

Etwas anders wurde diese Situation in Großbritannien gehandhabt. Traditionell in wirtschaftlichen wie sicherheitstechnischen Belangen eng mit den USA verbündet, galt es auch in Sachen Überwachung und Sicherheit einem Abkommen zu entsprechen: Das Five Eyes Abkommen zwischen den elektronischen Geheimdiensten der USA, Großbritanniens, Australiens, Neuseelands und Kanadas beinhaltet einen umfangreichen Datenaustausch. US-Daten könnten also dadurch letztlich durch Spionage in Großbritannien theoretisch in China landen.

Bisher hat man in Großbritannien Huawei-Produkte lediglich auf Funkseite zugelassen, nicht aber in der aktiven Netztechnik. Diese zentralen Netzfunktionen ausübenden Bereiche technischer Infrastruktur sind jene, die besonders sensible Informationen verwalten. Bei der 5G-Technologie, welche einige technologischen Änderungen mit sich bringt, lässt sich diese Grenze aber nicht mehr so eindeutig setzen, wie dies bei LTE oder 3G der Fall gewesen ist. Dennoch sieht die GCHK, das Government Communications Headquarters in Großbritannien, keine Bedenken, wenn es um “Risiken für die Kommunikationskanäle zum Austausch von Geheimdienstinformationen geht”, wie in einer Aussendung im Juli 2019 vermeldet wurde. Tatsächlich sieht man nach gründlichen Analysen lediglich übliche Sicherheitsbedenken, wie sie bei allen komplexeren Geräten mit langem Entwicklungszyklus auftreten können.

Auch in Großbritannien werden sich also die Schwierigkeiten wohl in Grenzen halten, die Huawei in Sachen 5G Netzausbau zu erwarten hat.

Alternativen schwer zu finden

Die USA steht also mit ihrer Entscheidung, Huawei Produkte vollständig vom Markt fern zu halten, weltweit mehr oder weniger alleine da. Ob man sich hiermit einen großen Gefallen tut, sei dahingestellt. Denn auch in den USA ist derzeit keine 5G Hardware verfügbar, die jener von Huawei ebenbürtig wäre. Letztlich erschwert man mit diesen Maßnahmen den Netzbetreibern den Ausbau von 5G – was mittelfristig durchaus zu Nachteilen in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes USA führen könnte.

Huawei kritisiert US Entscheidungen mit relativer Gelassenheit

Seitens Huawei bestritt man jegliche Vorwürfe, seine Produkte für Spionagezwecke zu manipulieren, ebenso wie eine oftmals unterstellte Verbindung des Konzerns zum chinesischen Staatsapparat. Vielmehr kritisierte man die negativen Folgen für die Telekomunternehmen in den USA, die sich nun nach Alternativen umsehen müssen und teilweise höhere Kosten in Milliardenhöhe hinnehmen müssen.

Allerdings wäre es nicht die ganze Wahrheit, zu behaupten, der Bann aus den USA wäre an Huawei spurlos vorüber gegangen. Huawei geriet tatsächlich gleich auf mehreren Ebenen in erhebliche Schwierigkeiten. So verlor man gleich mehrere Kooperationen mit Chipherstellern und anderen US-amerikanischen Unternehmen: Qualcomm und Intel kündigen bereits an, keine Chips mehr an den Konzern zu liefern. Auf dem Smartphone-Sektor ist das Problem nochmals größer: hier wird der Google Mutterkonzern Alphabet das Betriebssystem Android bis auf weiteres nicht mehr zur Verfügung stellen. Vor allem dies wird Huawei nachhaltig schaden: Die Marktanteile auf dem Smartphone-Markt sind bereits jetzt deutlich zurückgegangen. Denn erprobte alternative Betriebssysteme gibt es schlichtweg keine, und niemand möchte ein Smartphone kaufen, welches keine entsprechend aktuelle Software verwendet, die den üblichen Komfort bietet.

Huaweis Plan B

Allerdings ist man bei Huawei nicht unvorbereitet in dieser Situation: Bereits seit längerer Zeit verfolgt man eine Strategie, die den Konzern von US-Unternehmen unabhängiger machen soll: Bereits seit dem Jahr 2012 wurde etwa an einem eigenen Betriebssystem namens “harmony” gearbeitet, welches erst vergangene Woche vorgestellt wurde. Dessen Zeit scheint nun gekommen. Das Betriebssystem, welches in China unter dem Namen “Hong Meng” vertrieben wird, soll neben Smartphones auch auf anderer Hardware, wie auf Fernsehern und Smart Watches laufen.

Seit vielen Jahren werden seitens Huawei Milliarden in Forschung und Entwicklung investiert, um letztlich unabhängiger von ausländischen Anbietern zu werden. Man dürfte bei Huawei also nicht unbedingt überrascht über den Widerstand der US-Regierung gewesen sein. Insgesamt scheint man also nicht zuletzt auch durch die extrem starke Marktposition in China selbst relativ gelassen auf die Sanktionen reagieren zu können.

Eben in China haben die Sanktionen gegen das Unternehmen gar zu patriotischen Reaktionen geführt – während Apple im zweiten Quartal 2019 deutlich weniger iPhones verkaufte, sprangen die Marktanteile von Huawei von 28% auf gigantische 34%. Jetzt erst recht Huawei kaufen, scheint bei vielen Chinesen also die Devise zu sein.

Fazit

Insgesamt muss man doch sagen, dass die USA weitgehend allein in der Welt dasteht, wenn es darum geht, den Einfluss des Technologieriesen Huawei zurückzudrängen. Selbst in Großbritannien musste man eingestehen, dass die Sicherheitsbedenken gegenüber der Hardware Huaweis insgesamt wohl doch nicht belegbar sind. Zudem ist die restliche Welt aus Mangel an alternativer Hardware letztlich wohl gezwungen, auf Huawei zu setzen, um im internationalen Wettbewerb und dem Rollout von 5G im Zeitplan zu bleiben.

Für Huawei werden sich die Folgen, soweit dies derzeit abzuschätzen ist, wohl relativ in Grenzen halten. Zumal Huawei mit dem Heimatland China als einer der größten Wirtschaftsräume der Welt alle Möglichkeiten hat, seine Position weiter zu stärken

 

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