In allen öffentlichen Gebäuden müssen in Deutschland verpflichtend Gebäudefunkanlagen installiert werden. Denn im Ernstfall kann die ungehinderte Kommunikation zwischen Einsatzkräften von lebenswichtiger Bedeutung sein. Um eine möglichst optimale Funkversorgung für das BOS-Netz zu garantieren, muss man auf einige wichtige Dinge achten.

BDBOS und die Richtlinien

Für öffentliche Gebäude besteht die Pflicht, Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben ein geeignetes Funknetz zur Verfügung zu stellen. Dieser digitale BOS-Funk, der mit der TETRA Technologie funktioniert, dient folgenden Organisationen:

– Rettung

– Feuerwehr

– Polizei

– Zollfahndungsbehörden

– Katastrophenschutz

– Bergrettung

Dass es immens wichtig ist, einen einwandfreien Funk in jedem größeren Gebäude vorfinden zu können, liegt auf der Hand. Man stelle sich beispielsweise vor, die Rettung oder Feuerwehr wäre in einem Ernstfall nicht dazu in der Lage, in einer Konzerthalle zu kommunizieren. Koordination und Abstimmung unter den Einheiten kann in solchen Szenarien rasch zu Katastrophen führen, mitunter können Menschenleben in Gefahr sein.

Die Einhaltung der Bestimmungen zum BOS Gebäudefunk sind streng einzuhalten. Außerdem müssen die Funksysteme von Betreiberseite regelmäßigen Tests unterzogen werden, um ihre Funktionstüchtigkeit auch im Ernstfall garantieren zu können. Letztlich gilt es, die hohen Anforderungen vollends zu erfüllen. Denn falls dies nicht geschieht, drohen hohe Strafen.

Anforderungen an Gebäudefunk

Die Anforderungen an den Gebäudefunk werden durch den Bund anhand von technischen Richtlinien vorgegeben. Viele der Richtlinien befinden sich unter anderem in der Muster-Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau, der Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern, sowie in der Musterverordnung über den Bau- und Betrieb von Versammlungsstätten.

Zusammengefasst müssen Gebäude vor allem Kriterien entsprechen, welche eng mit den Bereichen zusammenhängen, welche in den Räumlichkeiten vorzufinden sind. Der Gebäudefunk muss jedenfalls funktionsfähig sein:

 

– sobald ein Raum die Größe von 100 Quadratmetern überschreitet

– in allen Rettungswegen, wie etwa Fluren, Treppenräumen, Gängen, Fluchttunnels oder Notausgängen

– in allen Zentralen automatischer Löschanlagen

– in der Brandmeldezentrale

– in Räumen mit erhöhtem Risiko

– in sämtlichen notwendigen sicherheitsrelevanten Zufahrten sowie

– im Versorgungsbereich 50 bis 100 Meter um das Objekt

Komplexe und zusammenhängende Gebäude

Wenn es sich um Gebäudekomplexe handelt, sowie um zusammenhängende Gebäude, so muss der Gebäudefunk eine gemeinsame Funkanlage aufweisen. Die Funkversorgung muss darüber hinaus auch qualitative Anforderungen erfüllen. So muss flächendeckend eine Versorgung von -85 bDM gegeben sein. Des weiteren müssen zumindest zwei BOS-Kanäle installiert werden, und die gesamte Gebäudefunkanlage muss per Selektivruf ein- und ausgeschaltet werden können.

Diese Aufzählung umfasst zwar nur die wichtigsten Anforderungen. Sie zeigt jedoch, dass der Gebäudefunk ein hochkomplexes Thema ist, dass unbedingt von einem Experten angegangen werden sollte.

Gerätewahl abhängig von Gegebenheiten

Mindestens ebenso wichtig, wie die exakte Einhaltung sämtlicher Bestimmungen, die in den technischen Richtlinien des BDBOS vermerkt sind, ist die Wahl der richtigen Geräte für den Gebäudefunk.

Denn die Entscheidung, welches Gerät am besten für das jeweilige Gebäude geeignet ist, kann nicht einfach pauschal getroffen werden, oder nach Kriterien wie Herstellerpräferenz oder Preisgegebenheiten erfolgen. Sie ist vor allem von der Beschaffenheit des Gebäudes abhängig. So spielt es etwa eine Rolle, aus welchen Materialien das Gebäude besteht, und andere physikalische Beschaffenheiten wie beispielsweise die Dicke der Wände. Bei der Funkmessung werden entsprechende Daten ermittelt, die ebenfalls in die Entscheidung für das richtige Modell einfließen.
Grundsätzlich sollte man auf eine Anlage setzen, welche von der Wartung her relativ einfach zu handhaben ist. Entsprechende Wartungen müssen regelmäßig erfolgen und die Ergebnisse werden streng überprüft. Bei einer falschen Wahl der Funkanlage können ansonsten empfindliche Mehrkosten entstehen. Es lohnt sich hierbei also, einen Experten zu konsultieren. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist natürlich auch die Situation, in der die Anlage installiert werden soll: Wie viel Platz ist vorhanden, und wie sieht es mit den Raumtemperaturen aus, mit der Feuchtigkeit, dem Wettereinfluss, et cetera. In Deutschland sind grundsätzlich zwei Geräte weitgehend etabliert und haben sich bewährt:

 

SAFIR+ von Radiodata

Das Gerät SAFIR+ von Radiodata wird in Berlin hergestellt und ist eine der am häufigsten angewendeten Funkanlagen. Grund ist, dass diese speziell für die Anforderungen des BOS-Funks optimiert wurde. Vor allem in Einkaufszentren, Bürogebäuden, in Malls und Konzerthallen kommt die SAFIR+ zum Einsatz, aber auch etwa an Flughäfen.

Schnoor FSO-416

Die Schnoor FSO-416 ist ebenfalls eine beliebte Anlage, die häufig zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, ein öffentliches Gebäude bereit für den BOS-Funk zu machen. Großer Vorteil: Die Schnoor FSO-416 hat eine eingebaute Notstromversorgung, die selbst bei Stromausfällen den Einsatzkräften behilflich sein kann. Die Anlage ist allerdings nicht speziell für BOS/TETRA optimiert, und muss entsprechend von einem Experten konfiguriert werden.

Verstärkter Fokus auf Gebäudefunk dank 5G

Neben dem verpflichtenden Funk für die genannten möglichen Einsätze von Rettung, Feuerwehr, Polizei und anderen Organisationen, wird in den kommenden Jahren ein neues Thema immer mehr auf dem Radar von Betreibern öffentlicher Gebäude stehen:

Die Rede ist von 5G, dem neuen Mobilfunkstandard, der in wenigen Jahren LTE ersetzen wird. Dieser neue Standard wird speziell für den Gebäudefunk ein tückisches Thema: Denn die 5G Funkfrequenzen sind in einem sehr hohen Frequenzbereich angesiedelt, was bedeutet, dass diese deutlich schlechter durch Wände hindurch senden können, als dies bei LTE oder 3G der Fall ist. Dies hat zur Folge, dass viele öffentliche Gebäude gezwungen sein werden, eine Funkanlage zu betrieben, die die 5G Frequenzsignale im Gebäude verfügbar macht. Denn wenn sie dies nicht tun, wird man den Service schlichtweg nicht nutzen können. Wenn man sich vor Augen führt, dass man allgemein als Nutzer davon ausgeht, in allen öffentlichen Gebäuden wie Einkaufszentren U-Bahnstationen oder an Bahnhöfen mobiles Internet nutzen zu können, wird es klar, dass die Betreiber in dieser Hinsicht gefordert sein werden. Bislang ist noch nicht ganz klar, wie die Situation sich genau gestalten wird, und vor allem welche Rolle die Telekommunikationsunternehmen hierbei spielen werden. Dennoch ist schon jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit dem Thema zu befassen, denn 5G soll zumindest in Ballungszentren schon im Jahr 2019 kommen.

Fazit

Gebäudefunk ist vor allem in Sicherheitsbelangen ein wichtiges Thema, dass jeden Betreiber von öffentlichen Gebäuden beschäftigen muss. Für Feuerwehr, Rettung und Polizei ist es von essentieller Bedeutung, dass sie auch in Einkaufszentren, auf Flughäfen oder in Konzerthallen ungehindert kommunizieren können – dies kann mitunter Leben retten. Die technischen Richtlinien für die Betreiber sind zumindest klar definiert.

Auch mit der neuen Mobilfunkgeneration kommt eine neue Herausforderung auf die Betreiber zu. Denn 5G ist wegen seiner hohen Frequenzen deutlich schwieriger in Gebäude zu bringen, als die bestehenden Mobilfunknetze wie LTE oder 3G. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie genau die Lösungen hierfür aussehen werden. Schon jetzt eine entsprechende Strategie hierfür zu entwickeln, kann jedenfalls nicht schaden.

 

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