Der Digitalfunk BOS ist das zentrale Kommunikationsmedium für Polizei, Feuerwehr, Rettung und andere Behörden und Organisationen. Aufgebaut wurde der Digitalfunk mit dem TETRA Funkstandard – so wie in vielen anderen Ländern in der EU. Doch der BOS ist nur bedingt für die Anforderungen der Zukunft geeignet. Aus diesem Grund arbeitet die BDBOS an der Modernisierung des bundesdeutschen Funknetzes.

 

Was wären die Polizei, die Feuerwehr, die Rettungsdienste sowie Zivil- und Katastrophenschutzorganisationen ohne den Digitalfunk BOS? Wenn man sich verdeutlicht, wie wichtig die sichere und reibungslose Kommunikation dieser Organisationen für das Land ist, wird klar, welch hohe Bedeutung dem BOS und dessen Funktionalität zugestanden werden muss. Die BDBOS, Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben übernimmt diese Verantwortung als Betreiber, und hat das BOS in den vergangenen Jahren erfolgreich bundesweit aufgebaut.

 

Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Anforderungen des BOS für die Zukunft eine Modernisierung notwendig machen. Längst stehen im Zeitalter von Big Data und schnellen Mobilfunknetzen in der Privatwirtschaft moderne Möglichkeiten zur Verfügung, von der nicht zuletzt auch sicherheitsrelevante Behörden wie Polizei, Rettung und Feuerwehr enorm profitieren könnten – letztlich zum Wohle aller. Da eine Modernisierung zum einen viele ungewisse Fragen nach der zukünftigen Entwicklung der Technologien allgemein aufwirft, und zum anderen eine recht großräumige und somit kostspielige Infrastruktur betrifft, handelt es sich um Entscheidungen von großer Tragweite, die mit viel Sorgfalt gefällt werden müssen. Die BDBOS ist daher bereits seit einigen Jahren aktiv mit der Entwicklung einer entsprechenden Strategie beschäftigt, um den sicherheitsrelevanten Organisationen letztlich Kommunikationssysteme zur Verfügung stellen, die sie fit für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts machen.

 

Tetra Funk – in EU und Deutschland

Das BOS ist weltweit das größte Funknetz, dass auf dem internationalen TETRA-Standard basiert. Neben Deutschland setzen mehr als 15 Länder auf den TETRA Standard. So etwa auch die Exekutive der Niederlande, Großbritanniens, Belgiens, Finnlands und Österreichs. TETRA Funksteht für Terrestrial Trunked Radio, und wurde in den 1990er Jahren zur Modernisierung des damals üblichen Analogfunks entwickelt. In den vergangenen Jahren hat die BDBOS ein bundesweites TETRA-Netz aufgebaut, das sogenannte BOS.

 

Stärken des BOS Sprachfunks

Das BOS ist in erster Linie für die Sprachfunk-Kommunikation gedacht und konzipiert worden. Diese Aufgabe erfüllt der TETRA-Standard mit hoher Qualität, neben einigen weiteren Funktionen, wie der Standortübermittlung und der Versendung von Textnachrichten reibungslos.

Behördenübergreifende Kommunikation

Zu den Vorteilen des BOS zählt auch, dass sämtliche Behörden, die dieses Netz nutzen, reibungslos untereinander kommunizieren können – vor allem im Falle größerer Ereignisse hat sich das BOS in dieser Hinsicht bereits als ungemein wertvoll erwiesen.

Gruppenkommunikation

TETRA Funk ermöglicht die Gruppenkommunikation – eine Nachricht kann also an mehrere definierte Nutzergruppen oder Nutzer übermittelt werden. Insbesondere die Durchführung anspruchsvoller und komplexer Einsatzszenarien unter Beteiligung verschiedener BOS wird dadurch möglich.

Verschlüsselung

Durch die Funkschnittstellenverschlüsselung von TETRA Funk ist der BOS abhörsicher. Der Übertragungsabschnitt zwischen mobilem Endgerät und Basisstation wird vollständig abgesichert. Um auch die dahinter liegende Netzinfrastruktur abzusichern, wird eine eigens dafür entwickelte Software eingesetzt.

Hohe Verfügbarkeit

Auch die Verfügbarkeit ist durch TETRA rund um die Uhr gewährleistet – und das selbst bei hoher Auslastung. Diese Eigenschaft ist vor allem bei Großereignissen und in Katastrophenfällen überaus wichtig.

 

Modernisierung des BOS: Die Gründe

All die genannten Eigenschaften und Funktionen machen den BOS zu einem zuverlässigen Funkdienst für Polizei, Rettung, Feuerwehr und andere sicherheitsrelevante Behörden und Organisationen. Doch die Anforderungen an das Funknetz sind durch die allgemein immer weiter voranschreitende Digitalisierung längst höher geworden, als zur reinen Sprachkommunikation.

Es liegt auf der Hand, dass bei sämtlichen Organisationen, die BOS nutzen, die Möglichkeit besteht, bei entsprechenden Möglichkeiten der verbesserten Datenübertragung nochmals effizienter zu arbeiten. TETRAFUNK kann hierbei mit einem entsprechenden Service aufgrund seiner technischen Limitierung nicht aufwarten: Denn TETRA Funk ermöglicht Übertragungsraten von theoretisch maximal 28,8 Kbit/s – solche Übertragungsraten entsprechen den modernen Anforderungen nicht ansatzweise.

Aus diesem Grund soll der BOS entsprechend modernisiert werden. Den sicherheitsrelevanten Organisationen soll ein Funknetz zur Verfügung gestellt werden, welches vor allem die Übertragung großer Datenmengen möglich macht.

Man denke nur an die Möglichkeiten, welche die Polizei mithilfe leistungsfähiger Datenfunkdienste hätte: So könnten etwa bei Fahndungen Bild- und Videodateien deutlich effizienter genutzt werden. Auch hinsichtlich der Verkehrsüberwachung würden sich durch hohe Datenraten deutliche Optimierungsmöglichkeiten ergeben. Auch andere Organisationen, die den BOS nutzen, würden von entsprechenden Möglichkeiten profitieren – bspw. die Übermittlung umfangreicher Patientendaten an Krankenwagen oder Krankenhäuser bei Notfällen.

Aktuell nutzt zumindest die Polizei in vielen Fällen die LTE-Netze der privaten Telekommunikations-Dienstleister. Es ist allerdings klar, dass es sich hierbei nur um eine Übergangslösung handeln kann – vor allem aus Sicherheitsgründen. Außerdem sind diese Services allein deshalb eingeschränkt, da sie die Gruppenkommunikation nur sehr eingeschränkt erlauben.

 

Modernisierung des BOS: Wie genau umsetzen?

Die BDBOS ist also gefordert, im kommenden Jahrzehnt den BOS zukunftsfit zu machen. Denn in seiner aktuellen Ausbaustufe, mit dem TETRA Standard, sind die genannten Anforderungen nicht realisierbar. Und nun zeichnet sich eine mögliche Lösung ab: Denn die BDBOS hat Bedarf an Frequenzblöcken im 450 MHz Bereich angemeldet – und hierbei handelt es sich um einen Frequenzbereich, der sich für die Errichtung eines solchen unabhängigen, eigenständigen Datenfunknetzes gut eignen würde.

Die Privatwirtschaft ist über diese Initiative alles anderes als erfreut – aus zweierlei Gründen:

 

Gewinnentgang durch Absage an Network-Slicing

Zum einen hatten die privaten Netzanbieter die Hoffnung, dass BOS könnte über das 5G Mobilfunknetz bedient werden. Erst im Juni 2019 wurden die entsprechenden Funklizenzen für mehr als 6.6 Milliarden Euro ersteigert. Mit Organisationen wie der Polizei, der Feuerwehr oder der Rettung als Kunden, ließen sich die enormen Investitionen in 5G deutlich leichter wieder einspielen, als allein über die Privaten Kunden. Möglich geworden wäre eine solche Lösung durch ein sogenanntes Network-Slicing, bei dem eine Art „Netz im Netz“ eingerichtet wird, über welches das BOS theoretisch sicher kommunizieren könnte. Doch wie sich nun abzeichnet, wird daraus wohl nichts.

 

450 MHz Funkblöcke in der Privatwirtschaft begehrt

Der BDBOS hat Interesse an Funkblöcken bekundet, welche bisher von der Energiewirtschaft genutzt wurden. Diese 450 MHz Frequenzen könnte die BOS nun für den Aufbau eines eigenen Digitalfunknetzes für schnelle Datenübertragungen nutzen. Allerdings würde die Energiewirtschaft dadurch ihr Funknetz verlieren. Der Verlust würde ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Energiewirtschaft darstellen, da über dieses Netz auch in Notfällen die Stromversorgung sichergestellt wird.

Längst wird in dieser Angelegenheit auf ministerieller Ebene versucht, zu vermitteln – ein letztes Wort ist hierbei noch lange nicht gesprochen. Fest steht, dass die Frequenzen Ende 2020 auslaufen und bis dahin neu vergeben werden.

 

Ungewisse Zukunft der BOS-Modernisierung
Wie man sieht hat die BDBOS in den kommenden Monaten wichtige strategische Entscheidungen zu fällen, was die Modernisierung des BOS anbelangt. Fest steht, dass die das Bundesfunknetz nutzenden Behörden dringend die Möglichkeit zur Übertragung großer Datenmengen benötigen, um den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht werden zu können. Man darf gespannt sein, wohin die Reise letztlich gehen wird.

 

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