Im Jahr 2007 wurde der digitale BOS-Funk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Betrieb genommen. Aber warum eigentlich hat man beschlossen, den Analogfunk von Polizei, Rettung, Feuerwehr und einiger anderer Organisationen zugunsten des TETRA Funkstandards aufgegeben? Immerhin mussten Milliarden investiert werden, um den bereits in den 80er Jahren entwickelten Mobilfunkstandard flächendeckend in ganz Deutschland auszurollen, und somit zum größten TETRA Netz der Welt zu machen. Für diese Entscheidung gab und gibt es gute Gründe – lesen Sie selbst.

Höchstmaß an Sicherheit

Eines der wichtigsten Argumente, das zum Umstieg auf das TETRA Netz geführt hat, ist die allgemein hohe Sicherheit, die dieser Mobilfunkstandard aufweist. Insbesondere der Datenschutz ist ein grundsätzlich brisantes Thema, speziell wenn es um die Kommunikation der Polizei geht. In Deutschland wird aus diesem Grund von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sämtliche Kommunikation zu verschlüsseln. Denn die standardmäßig vorhandene Funkschnittstellen-Verschlüsselung schützt zwar den Übertragungs-Abschnitt zwischen mobilem Endgerät und der Basisstation, doch nicht die gesamte Netzinfrastruktur. Und genau das ist aber nötig, um die Behörden ohne Sicherheitsrisiko arbeiten zu lassen. Erst die sogenannte End-to-End Verschlüsselung sorgt dafür, dass keine Dritten den Funkverkehr abhören oder manipulieren können.

Aber auch andere Aspekte fallen unter dem Begriff Sicherheit des BOS zusammen. So gibt es beispielsweise eine Notruffunktion mit Ortungsmöglichkeit für die Einsatzkräfte, welche deren persönliche Sicherheit ganz dramatisch verbessert – vor allem in Notsituationen direkt im Einsatz. Dazu aber später mehr.

Bessere Sprachqualität als Analogfunk

Die Sprachqualität spielt im BOS Mobilfunk eine deutlich wichtigere Rolle als im privaten Mobilfunk – denn die Kommunikation ist nahezu ausnahmslos von immenser Bedeutung für die einwandfreie Arbeit der Einsatzkräfte. Jedes noch so kleine Missverständnis kann mitunter zur großen Gefahr werden. Eine möglichst rauschfreie Sprachübermittlung mit Unterdrückung von störenden Hintergrundgeräuschen ist daher eine Angelegenheit von sicherheitsrelevanter Bedeutung – denn nicht selten müssen Einsatzkräfte in lauten Umgebungen arbeiten. Viel Lärm wird beispielsweise verursacht durch Verkehrslärm, große Menschenmengen, aber auch bei Unwettern. Und TETRA liefert hierfür die richtige Technologie und kann Ergebnisse bringen, die per analogem Funk nicht denkbar waren.

Gruppenkommunikation als unverzichtbare Zusatzfunktion

Diese Funktion ist beispielsweise beim kommerziellen Mobilfunk nicht möglich: Ein Einsatzleiter tritt während eines Einsatzes gleich mit mehreren Einsatzkräften simultan in Verbindung. Je nach Bedarf können einzelne Personen angefunkt werden, oder eben ganze Gruppen miteinander verbunden werden. Dies hilft den Einsatzkräfte immens, vor allem wenn wichtige Informationen rasch weitergegeben werden müssen. Durch diese Funktion sind die deutschen Einsatzkräfte, die Feuerwehrfunk, Polizeifunk oder Rettungsfunk nutzen, auch bei besonders komplexen Einsatzszenarien bestens gerüstet, und können auf jede Situation optimal reagieren.

Effizientere Einsätze durch TETRA-Funkstandard

Ein nicht unerhebliches Argument für die Einführung des Digitalfunks war die Möglichkeit, Einsätze deutlich effizienter als bisher gestalten zu können. Und dies ist tatsächlich der Fall: Denn durch den BOS-Digitalfunk wurde es möglich, Funkteilnehmer aller BOS in Kommunikations-Gruppen flexibel zusammenzuschließen. Das erleichtert die Arbeit der Einsatzkräfte durch reibungslose Kommunikation erheblich. Vor allem in Großschadenslagen hat sich dies mehrfach als äußerst hilfreich herausgestellt. Information kann dadurch dorthin übermittelt werden, wo sie hilfreich ist. Andere Gruppen werden durch unnötige Infos nicht abgelenkt oder gar irritiert. Ein weiterer Aspekt, der dabei hilft, vor Ort effizienter zu arbeiten, ist die verbesserte Einsatzsteuerung durch GPS-Ortung und Datenübertragung. Denn erst durch den Umstieg auf Digitalfunk war überhaupt daran zu denken, Daten per Funk zu übertragen.

Moderne, zukunftsorientierte Technik

Das auf TETRA basierende BOS-Digitalfunknetz ist eines der modernsten im Sicherheitsbereich überhaupt. Das deutschlandweit von ungefähr 500.000 Nutzerinnen und Nutzern verwendete Funknetz erlaubt beispielsweise allen Teilnehmern, parallel zu kommunizieren. Durch TETRA ist es also beispielsweise möglich, gezielt unterschiedliche Gruppen anzusteuern, und so große Einsätze etwa in Notsituationen wie Umweltkatastrophen zu koordinieren. Die moderne Funktechnologie verringert weiter die beim Analogfunk vergleichsweise häufig auftretenden Funklöcher.

Hohe Verfügbarkeit dank modernem Funknetz

Funkrufe sollten immer ankommen – vor allem dann, wenn es um die Einsatzkräfte geht, die in Deutschland die Sicherheit gewährleisten und im Krisenfall im Einsatz sind. Jede verpasste Meldung, jeder Befehl, der sein Ziel nicht erreicht, kann mitunter schwerwiegende Folgen haben – egal ob im Polizeifunk, bei der Feuerwehr oder beim Rettungsfunk. Umso wichtiger ist, es, dass der Funk immer zu 100% zuverlässig ist.

Durch seine spezielle Netzarchitektur ist das BOS ein hochverfügbares Funknetz. Auch in technisch herausfordernden Situationen, wie bei hohem Gesprächsaufkommen bei Einsätzen, wie sie beispielsweise bei großen Festivals vorkommen, ist auf BOS immer Verlass.

Datenübertragung – besser geringe Bandbreite als gar keine

Durch den Umstieg von analog auf digital sind die Nutzer des BOS endlich dazu in der Lage gewesen, Daten verschlüsselt per Mobilfunk zu übertragen – und das im eigenen unabhängigen Netz. Zwar hält sich die Übertragungsgeschwindigkeit des TETRA Standards in Grenzen – lediglich 28,8 Kbit/s sind maximal möglich, und selbst das nur zu idealen Bedingungen – aber immerhin gibt es diese Möglichkeit seit dem Umstieg vom Analogfunk nun. Und letztlich muss man bei aller Kritik über die geringe Bandbreite den Entscheidungsträgern zugutehalten, dass es in den 90er Jahren, als die Entscheidung des Umstieges erfolgte, noch nicht absehbar war, wie wichtig mobile Datenübertragung schon wenig später werden würde.

Notruftaste mit automatischer Standortübermittlung

Alle Digitalfunkgeräte des BOS sind mit einer speziellen Notfunktaste ausgestattet. Wer auf diese Taste drückt, erhält eine direkte Sprechverbindung, die Vorrang vor allen anderen Teilnehmern hat. Wohin der Funkruf durchgestellt wird, hängt von der genauen Konfiguration ab. Mit diesem Notruf wird darüber hinaus auch die GPS Position automatisch mit durchgestellt, was es möglich macht, Einsatzkräften, die in Not sind, etwa auch bei Unfähigkeit, zu kommunizieren, noch orten zu können.

Fazit:

Der BOS hat mit dem TETRA Funkstandard eines der modernsten Mobilfunksysteme gewählt welches eine ganze Reihe von fundamentalen Vorteilen gegenüber dem Analogfunk mit sich bringt. Angefangen von dramatisch verbesserter Kommunikation, deutlich besserer Sprachqualität und hoher Verfügbarkeit, bis hin zur heute essentiellen Datenübertragung, handelt es sich um ein modernes Digitalfunknetz, welches die sicherheitsrelevanten Behörden und Einsatzkräfte in ganz Deutschland in ihren Aufgaben unterstützt. Egal ob Polizei, Feuerwehr, Rettung oder Zollbehörden – mit dem BOS hat man ein Funknetz, welches seiner Zeit entspricht.

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