Das Jahr 2019 ist hinsichtlich digitaler Infrastruktur ganz eindeutig das Jahr von 5G. Auch in Deutschland sind erste Netze in Betrieb gegangen – so wie in einigen anderen Ländern meist aber nur testweise und in jeweils stark begrenzten Gebieten. Der flächendeckende Ausbau, zu dem sich die Telekom-Unternehmen beim Erwerb der teuren 5G-Lizenzen verpflichtet haben, wird diese in den kommenden Jahren jedenfalls vor große Herausforderungen stellen. Aber wie genau ist es um die Verfügbarkeit von 5G aktuell bestellt? Wir haben uns die Situation genauer angesehen.

Gut Ding braucht Weile – 5G in Deutschland

Der Netzausbau von 5G Technologie bedeutet für die Betreiber eine große Investition – allein die Versteigerung der Funkfrequenzen, die in das 5G Spektrum fallen, hat der Deutschen Telekom, Vodafone und anderen Anbietern mehr als 6,6 Milliarden Euro gekostet. Doch damit ist es noch lange nicht getan, denn 5G-Funkstationen sind teuer. Hinzu kommt noch, dass die Reichweite von 5G im Gegensatz zu den enormen Bandbreiten äußerst gering sind. So müssen viel mehr Stationen errichtet werden, als etwa beim Vorgänger LTE.

Und auch die Genehmigungen, die in Deutschland für die Errichtung jedes einzelnen Sendemastes eingeholt werden müssen, werden hierzulande nur sehr langsam vergeben – die Telekom spricht gar davon, dass die Verfahren nirgendwo länger dauern als in der Bundesrepublik.

5G – die digitale Schlüsseltechnologie der kommenden Jahrzehnte

Dabei ist es aus wirtschaftspolitischer Sicht im internationalen Wettbewerb sehr wichtig, diese neue Technologie so schnell wie möglich verfügbar zu haben. Denn gleich eine ganze Reihe von Zukunftstechnologien sind auf das Netz mit ultra-niedrigen Latenzzeiten und extrem hohen Bandbreiten angewiesen: Das betrifft international hart umkämpfte Branchen wie autonomes Fahren, Multimedia Streaming, das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz.

Nur mit Übertragungsraten, wie sie 5G ermöglicht, nämlich theoretisch bis zu 10 Gbit pro Sekunde, können die zu erwartenden gigantischen Datenmengen transferiert werden, die von Millionen von Teilnehmern permanent erzeugt werden und verarbeitet müssen. Auch die Latenzzeiten von 5G sind enorm kurz, und ermöglichen es beispielsweise, auch komplexe und grafisch aufwändige Videospiele zu streamen – mit LTE war das noch nicht möglich.

5G Tarife aktuell noch Mangelware

Für die Konsumenten hat sich hinsichtlich 5G in Deutschland bislang noch nicht allzu viel getan. Nur Vodafone und die Deutsche Telekom haben entsprechende 5G Tarife im Angebot. Dies sind erwartungsgemäß teuer, und können wie bereits beschrieben noch bei weitem keine deutschlandweite Netzabdeckung garantieren.

Doch diesbezüglich eilt die Zeit nicht, denn bis Herbst 2019 waren noch kaum mobile Endgeräte auf dem Markt, die überhaupt 5G-tauglich sind. Die großen Smartphone Hersteller Samsung und Apple sind beispielsweise noch kaum beziehungsweise gar nicht auf den 5G Zug aufgesprungen.

So lange es aber nicht viel mehr als 5G Testnetze gibt, besteht auch für die Hersteller kaum ein Anlass, entsprechende Geräte auf den Markt zu bringen. Zumindest aus dieser Richtung kommt derzeit also nicht viel Druck – und auch in anderen Ländern ist es kaum besser bestellt um den 5G Netzausbau, ausgenommen Südkorea, Japan, wo man rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2020 5G ausrollen möchte, und in den Ballungszentren Chinas.

5G Testnetze in Deutschland

Die Netzbetreiber haben hierzulande immerhin einige Testnetze erfolgreich aufgebaut. Eines davon, betrieben von der Deutschen Telekom, befindet sich im Hamburger Hafen, ein weiteres in Darmstadt und in der Berliner Innenstadt. Telefónica hat in Kooperation mit Huawei ein Netz in München auf die Beine gestellt, und Vodafone war im Raum Aachen aktiv. Doch nicht nur für den privaten Endverbraucher ist 5G von großer Bedeutung. Vielleicht noch mehr brauchen Technologie-Unternehmen diese Technologie, um sich optimal entwickeln zu können. So verwundert es kaum, dass Unternehmen wie die Deutsche Bahn, und Forschungsabteilungen gleich mehrerer deutscher Universitäten mit 5G experimentieren.

So 5G fit sind die Telekom-Unternehmen in Deutschland

Gleich vier Betreiber haben erfolgreich um 5G Lizenzen in Deutschland geboten: Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch. So weit sind diese Unternehmen bislang in ihren 5G-Bemühungen:

Deutsche Telekom

Das deutsche Paradeunternehmen war ganz vorne bei den Frequenzversteigerungen dabei. Mit deutlich mehr als zwei Milliarden Euro hat man viel investiert, um bei dieser neuen Technologie mitzumischen. Als einer der wenigen Anbieter bietet die Deutsche Telekom auch einen 5G Tarif für deutsche Smartphone Nutzer. Doch das Netz ist derzeit noch sehr klein, und beschränkt sich auf einige wenige Hot Spots in Großstädten. Und auch der Ausbau wird wohl einige Jahre in Anspruch nehmen, denn die Versteigerung ist deutlich teurer gewesen, als geplant. Dieses Geld fehlt nun für Investitionen in den Netzausbau. Doch immerhin will man in deutschen Städten bis Jahresende 2019 noch 300 5G Sendemasten aufbauen. Die Telekom hat immerhin zwei Geräte im Angebot, die das Surfen im 5G Netz erlauben: Das Huawei Mate 20 X und das Samsung Galaxy S10.

Vodafone

Derzeit sind in Deutschland 60 5G Antennen von Vodafone in Betrieb. Seit Juli 2017 sind diese in Form eines Handyvertrages auch für private Nutzer verfügbar. Der Konzern hat dieses Netz für seine Nutzer übrigens ohne Aufpreis zur Verfügung gestellt – wer also ein Smartphone mit 5G Chip hat, kann das Netz im Gegensatz zur Telekom, wo hohe Tarife gebucht werden müssen, mit bestehenden Verträgen nutzen. Die Ziele von Vodafone sind ambitioniert: Bis Ende 2020 soll gleich 10 Millionen Deutschen das 5G Netz zugänglich gemacht werden.

Telefónica und 1&1 Drillisch

Telefónica, besser bekannt durch die Marke O2, hat zwar ebenfalls Frequenzen ersteigert, jedoch bislang wenig über den Netzausbau bekannt gegeben. Es ist zu erwarten, dass O2 schon bald Kooperationen mit anderen Betreibern bekannt geben wird. Ähnliches gilt für den vierten Betreiber im Bunde: 1&1 Drillisch.

Fazit: Deutschland steht weltweit recht gut da

Alles in allem ist es also gar nicht so schlecht bestellt um das 5G Netz in Deutschland. Nur wenige Länder sind insgesamt besser aufgestellt als die Bundesrepublik. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das 5G Netz derzeit noch in den Kinderschuhen steht. Nur wenige Tarife der Telekom und von Vodafone ermöglichen überhaupt die Nutzung von 5G, die beiden anderen Halter von 5G-Lizenzen haben noch gar kein Angebot auf den Markt gebracht. Auch im Forschungsbereich tut sich bislang recht wenig. Einzig die Deutsch Bahn und einige Universitäten haben Testnetze gebaut.

Es wird definitiv spannend, zu beobachten, wie sich der weltweite 5G Netzausbau entwickeln wird, und ob die Betreiber in Deutschland die enormen Ausgaben für die Lizenz-Ersteigerung werden kompensieren können, um entsprechend in den Ausbau zu investieren. Immerhin haben sich diese verpflichtet, bis zum Jahr 2025 große Flächen Deutschlands mit 5G zu versorgen. Die Einhaltung dieser Verpflichtungen wäre jedenfalls gut für das Land – nicht nur für die Konsumenten, sondern vor allem auch für die Entwicklung der Wirtschaft.

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